Mehlwürmer fressen Plastikmüll

© Foto Fraunhofer UMSICHT - Die Larven zersetzen das Polystyrol und scheiden es als organische Substanzen wieder aus.

Die meisten Kunststoffe sind nur sehr schwer und über große Zeiträume biologisch abbaubar. Die Folge: von Hartplastik bis zu Mikroplastik reichern sich zahlreiche Kunststoffe in der Umwelt an und belasten insbesondere die Meere.
Doch es gibt tatsächlich einige Bakterien, die in der Lage sind, Kunststoffe zu zersetzen. So haben japanische Wissenschaftler ein Bakterium entdeckt, das PET zersetzt. Es hat sich evolutionär auf PET-Müll entwickelt und ernährt sich von Kunststoff. Doch der Stoffwechsel ist relativ langsam. Um das Bakterium effektiv gegen Plastikmüll einsetzen zu können, muss ein Prozess gefunden werden, der die Zersetzung beschleunigt.
Auch die Larven der Großen Wachsmotte können einen Kunststoff, Polyethylen, in relativ kurzer Zeit zersetzen. Sie zermahlen mit ihren Beißwerkzeugen das Plastik und zersetzen es im Darm.

Hoffnung Mehlwürmer
Im Jahr 2015 fanden Wissenschaftler der Stanford University heraus, dass die Larven des Mehlkäfers (Mehlwürmer) Styropor (Polysterol) fressen und verdauen können. Die Mehlwürmer besitzen einen Biofilm in ihrem Darm, auf dem sich Bakterien befinden, die die Verdauung des Styropors ermöglicht. Die Ausscheidungen enthalten ausschließlich biologisch abbaubare Substanzen und so können die Mehlwürmer  - nachdem sie sich an dem Plastikmüll fett gefressen haben - auch noch als Fischfutter dienen.
Ein Mehlwurm verzehrt 35-40 Milligramm Kunststoff pro Tag – also eine sehr geringe Menge. Davon scheidet er die Hälfte wieder in Form von Kohlenstoffdioxid aus.
Forscher des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik in Oberhausen untersuchten nun unter welchen Rahmenbedingungen (Temperatur und Luftfeuchtigkeit) die Mehlwürmer das Polystyrol optimal verwerten. Erste Ergebnisse zeigen, dass die optimalen Bedingungen bei rund 20 Grad Celsius und 50 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit liegen.
In einem nächsten Schritt soll geprüft werden, ob sich die Ergebnisse von Polystyrol auch auf andere Massenkunststoffe übertragen lassen. In einem letzten Schritt soll geprüft werden, inwieweit sich die Darmbakterien nach einer Extraktion vermehren und ob sie sich in Mülldeponien oder Klärwerken einsetzen lassen.

Der Mehlwurm
Der Mehlkäfer gehört zur Familie der Schwarzkäfer. Seine Larven werden wegen ihres wurmartigen Aussehens als Mehlwürmer bezeichnet. Käfer und Larve sind Vorratsschädlinge. Die Larven ernähren sich, ähnlich wie die Käfer, in erster Linie von stärkehaltigen Stoffen. Der Mehlkäfer ist deshalb häufig in Bäckereien als Schädling vorzufinden. Die Käfer können fliegen, tun dies aber selten.
Mehlwürmer werden als Proteinfutter für insektenfressende Vögel und als Köder für Angler gezüchtet.

Quellen: