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Montessori-Pädagogik: Hilf mir, es selbst zu tun!

Hilf  mir, es selbst zu tun - Quelle: Wikimedia
Hilf mir, es selbst zu tun - Quelle: Wikimedia

Die von Maria Montessori bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelten reformpädagogischen Ansätze erleben zurzeit einen echten Boom. Grund sind die PISA-Studien, bei denen das deutsche Schulsystem im internationalen Vergleich wiederkehrend schlecht abschnitt. So ist es nicht verwunderlich, dass Eltern immer öfter nach Alternativen für ihre Kinder suchen. Diese finden sie u. a. in Montessori-Kindergärten und -Schulen.

Unter dem Begriff „Reformpädagogik“ fasst man die unterschiedlichen Erziehungskonzepte zusammen, die an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert als Reaktion auf die entflammte starke Kritik am bestehenden Erziehungswesen in Europa und den USA aufkamen. Neben Maria Montessori (1870-1952) gelten u. a. Celestin Freinet (1896-1966), Peter Peterson (1884-1952), John Dewey (1859-1952) und Rudolf Steiner (1861-1925) als Reformpädagogen dieser Zeit. Ziel der Bestrebungen war eine Abkehr von der Anhäufung abfragbarem Wissens hin zu einer optimalen Förderung der kindlichen Persönlichkeit.

So lauten drei Grund-Prinzipien der Montessori-Pädagogik:

  1. Das Kind wird als ganzer, vollwertiger Mensch betrachtet und in seiner Persönlichkeit geachtet. (Dies war zu Lebzeiten von Maria Montessori absolut neu.)
  2. Das Kind darf und soll freie (Lern-) Entscheidungen treffen, selbständig denken und handeln. (Das Kind selbst und nicht der Lehrer weiß, was für es richtig ist. Denn Kinder wollen nicht irgendetwas lernen, sondern zu einer bestimmten Zeit etwas ganz Bestimmtes. Die Existenz der „sensiblen Lernphasen“ ist durch die moderne Gehirnforschung heute belegt.
  3. Das Kind soll lernen Schwierigkeiten zu überwinden, statt ihnen auszuweichen.

Maria Montessori hat aus der Arbeit mit behinderten Kindern ganzheitliche Lernmaterialien entwickelt, die eine eigenständige Lernerfolgskontrolle ermöglichen. Die Montessorie-Materialien fußen auf Sinneserfahrungen, die – wie wir heute ebenfalls aus der modernen Gehirnforschung wissen – Kindern genau das geben, was sie erfahren und begreifen wollen. Durch sehen und tasten erlangen die Kinder ein Gefühl für Farben, Formen, Oberflächenbeschaffenheit, Gewichte, Proportionen, Gerüche und Geschmäcker. Durch solches Handlungslernen schulen sie ihre Sinne spielerisch und lernen am effektivsten, da Lernen durch eigenes Handeln am erfolgreichsten ist. Beispiele sind die Einsatzzylinder, die braune Treppe, der rosa Würfel oder die Sandpapierbuchstaben. Es gibt Materialien zu den Themengebieten Lesen / Schreiben, Rechnen, Geografie, Biologie, die Sinnesmaterialien sowie die Übungen des täglichen Lebens. Letzte bilden einen weiteren Schwerpunkt innerhalb der Montessori-Pädagogik. Zu diesen Materialien zählen u. a. mit Stoff bespannte Holzrahmen, an denen die Kinder Schleifen binden und knöpfen üben können. Diese Stoffrahmen lassen sich leicht selbst anfertigen und mit Knöpfen, Druckknöpfen, Fäden oder Haken und Ösen ausstatten. Doch auch so simple Aufgaben, wie Tisch decken, Schuhe putzen, Staub wischen, Reis oder Wasser eingießen, Servietten falten, Schuhbänder zubinden, Hände waschen oder Blumen gießen gehören in die Kategorie der Alltagsübungen.

Oft verlangen Kinder von uns Erwachsenen „Alleine machen“. Leider fehlt im Alltag häufig die Zeit (man ist gestresst und hat es eilig) und die Geduld (es dauert uns einfach viel zu lange). Montessori regt dazu an, Kinder es alleine tun zu lassen: Anziehen, Jacke zuknöpfen, im Haushalt helfen etc.

Alle Materialien stehen in der vom Lehrer „vorbereiteten Umgebung“ zur freien Wahl. Diese vorbereitete Umgebung ist kindgerecht eingerichtet, also mit kleinen Stühlen und Tischen, niedrigen Waschbecken und Regalen. So kann sich ein jedes Kind, dem Material zuwenden, welches es am meisten interessiert.

Der Lehrer bzw. Erwachsene übernimmt lediglich eine Vermittlerfunktion, indem er dem Kind den richtigen Umgang mit dem Material zeigt und Hilfestellung gibt, wenn das Kind danach fragt. Niemals wird ein Kind bedrängt oder in seiner Eigeninitiative und Spontaneität gehemmt.

Wer als Montessori-Pädagoge/-in arbeiten möchte, muss eine berufsbegleitende zweijährige Zusatzausbildung absolvieren und das Montessori-Diplom für die Elementar- oder Primarstufe ablegen. Die drei bundesweit tätigen Montessori-Organisationen

  • Deutsche Montessori Gesellschaft e. V. (DMG)
  • Montessori-Vereinigung e. V.
  • Heilpädagogische Vereinigung e. V. (HPV)

bieten zusätzliche Zertifikatskurse für die Sekundarstufe an.

In Deutschland gibt es bereits mehr als 1000 Montessori-Schulen und -Kitas.

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