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Vitamin D – Das Sonnenvitamin

Um einen Vitamin-D-Mangel im Winter vorzubeugen sollte ein Bluttest und bei einem festgestellten Mangel eine Substitution mit Vitamin-D-Präparaten erfolgen. Besonders gefährdet sind Senioren und dunkelhäutige Menschen, je weiter nördlich oder südlich sie vom Äquator entfernt leben.

Was ist Vitamin-D?

Vitamin D ist im eigentlichen Sinne gar kein Vitamin, sondern eine Hormonvorstufe. Denn Vitamine müssen mit der Nahrung aufgenommen werden, sie sind essenziell. Das heißt, dass unser Körper sie nicht selbst herstellen kann. Dies ist beim Vitamin D jedoch anders. Der menschliche Körper kann Vitamin D zum einen zwar über die Nahrung aufnehmen – dies geschieht jedoch nur in sehr geringen Mengen – und zum anderen über die Haut selbst herstellen. In der Haut wird bei Sonneneinstrahlung aus Cholesterin Vitamin D produziert. Cholesterin dient im Körper unter anderem als Vorstufe für Steroidhormone. Ein Zwischenprodukt der Cholesterinbiosynthese, das 7-Dehydrocholesterin, ist das Provitamin zur Bildung von Vitamin D durch UV-Licht. Wird es aktiviert, ist das Vitamin D ein echtes Hormon. Hormone wiederum sind chemische Botenstoffe, die über das Blut an ihre Wirkungsorte transportiert werden. Über spezifische Rezeptoren (Andockstellen) gelangen sie in  die Zellen. In den Zellen greifen Hormone in den Stoffwechsel ein und fördern oder hemmen bestimmte Prozesse. Einige Hormone wirken auch auf die Proteinsynthese, indem sie gezielt Gene ein- oder ausschalten. Die vollständige Wirkungsweise des Vitamin D im menschlichen Körper ist bislang nicht geklärt. Es scheint jedoch sehr viele Rezeptoren und Wirkorte für das Vitamin D zu geben. Bisher wurde das Vitamin D lediglich im Zusammenhang von Rachitis (Wachstumsstörungen mit Verformungen der Knochen bei Kindern) und Osteoporose (Knochenschwund im Alter) gesehen. Doch neuere Studien deuten darauf hin, dass ein Vitamin-Mangel auch ein zusätzlicher Risikofaktor für Krebs, Diabetes, Rheuma, Grippe, Tuberkulose, Multiples Sklerose, Parkinson, Autismus, Depression und sogar Schizophrenie sein könnte.

Vitamin D und die Sonne

Während etwa 90 Prozent der Vitamin D-Synthese über die Haut erfolgt, werden nur gut 10 Prozent an Vitamin D aus der Nahrung aufgenommen. Der Haupt-Aufnahmeweg von Vitamin D ist also der über die Haut. Damit wird der Vitamin D-Gehalt im Körper vor allem durch den zeitlichen Aufenthalt in der Sonne bestimmt. Die Vitamin D-Produktion ist jedoch von der Qualität der Sonneneinstrahlung abhängig. Dies wird unter anderem durch die Bekleidung, die Tageszeit und den Einsatz von Sonnencremes sowie der geographischen Breite, auf der man sich befindet, beeinflusst. Und auch der Bräunungsgrad der Haut spielt eine Rolle.

Die UV-Strahlung wird in die kurzwellige UVB- und die langwellige UVA-Strahlung unterteilt. Für Sonnenbrand sind hauptsächlich die UVB-Strahlen verantwortlich. Wenn die Haut vorzeitig altert, so liegt das vor allem an den UVA-Strahlen.
UVB ist der aktivste Bestandteil des Sonnenlichtes. Er ist für viele sonnenbedingte UV-Wirkungen in der Natur verantwortlich. UVB regt beispielsweise unsere Pigmentzellen zur Bildung von Melanin (Pigmente, die die Färbung von Haut, Haaren und Augen bewirken) an. Zuviel UVB schädigt die Haut und kann langfristig den gefürchteten Hautkrebs begünstigen.
Für die Vitamin D-Synthese ist ebenfalls ausschließlich das UVB verantwortlich. Wird Cholesterin in der Haut mit UVB-Licht und einer Intensität von mindestens 18 Millijoule pro Quadratzentimeter bestrahlt, so bildet sich das Provitamin D. Durch weitere Wärmeeinwirkung wird es dann zum Vitamin D umgebaut. Über das Blut gelangt das Vitamin D dann in die Leber, wo es in die Speicherform, das 25-Hydroxy-Vitamin-D (auch: 25-OH-D), umgesetzt wird.

Für die Intensität sind der jahreszeitliche Einstrahlwinkel der Sonnenstrahlen und die Höhe des Sonnenstands entscheidend. In den Sommermonaten Juni und Juli ist der mittägliche Sonnenstand auf der Nordhalbkugel am höchsten – dann steht die Sonne fast senkrecht. Je kürzer der Weg der Sonnenstrahlen ist, desto weniger UVB-Licht wird von der Atmosphäre absorbiert. Am Vormittag und Nachmittag, wenn die Sonne tiefer steht, ist der Weg weiter und es wird mehr UVB-Licht absorbiert. Gleiches gilt für die Wintermonate. Dann ist der Einstrahlwinkel noch deutlich flacher und der Weg der Strahlen ist nochmals länger, wobei noch mehr UVB-Stahlen absorbiert werden. Für die Vitamin-D-Produktion heißt dies, dass in den Wintermonaten Oktober bis April wenig bis gar kein Vitamin D durch die Sonnenstrahlen in der Haut hergestellt werden kann. Für Deutschland bedeutet es, dass nördlich des 52. Breitengrades – etwa zwischen Magdeburg und Osnabrück – die Chancen für eine natürliche Vitamin D-Synthese in den Wintermonaten gegen Null tentieren.

Des Weiteren ist bekannt, dass die Fähigkeit zur Vitamin-D-Bildung mit dem Alter abnimmt und je dunkler die Hautfarbe ist, desto langsamer erfolgt die Vitamin-D-Produktion über die Haut.

Vitamin-D-Bestimmung und Normwerte

Bei einer Blutwertbestimmung wird in der Regel die Speicherform des Vitamin-D, also das 25-Hydroxy-Vitamin-D, bestimmt. Damit ist die Aussagekraft des Vitamin-D-Gehalts im Körper am besten. Würde das Vitamin D (Cholecalciferol oder kurz Calciol) gemessen, so wäre dies eine Momentaufnahme. Als Normbereiche gelten:

Normal: 20-60 ng/ml
leichter Mangel: 10-20 ng/ml
schwerer Mangel: < 10 ng/ml

[ng = Nanogramm]

Bei einem schweren Vitamin-D-Mangel sollte mit einem Vitamin-D-Präparat substituiert werden. Die Laborkosten für eine Vitamin-D-Bestimmung werden nur von der Krankenkasse übernommen, wenn dies vom Arzt begründet wird. Das wird er jedoch selten tun, da er damit sein Laborbudget belastet und bei einer Überziehung seines Budgets die Kosten ggf. selbst übernehmen muss. In der Regel wird es auf eine IGeL (individuelle Gesundheitsleistung) herauslaufen, bei der der Patient die Kosten selbst zu tragen hat. Die Kosten für die Vitamin-D-Bestimmung liegen zwischen 25 und 30 Euro.

Quelle: Heilkraft D, Nicolai Worm, Systemed Verlag 2011, ISBN: 978-3-927372-47-4

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