Lernen verändert sich. Wissen ist heute jederzeit verfügbar, digitale Werkzeuge ermöglichen neue Formen der Zusammenarbeit und berufliche Anforderungen entwickeln sich kontinuierlich weiter. Gleichzeitig stoßen klassische Weiterbildungsformate wie eintägige Seminare oder Frontalunterricht dort an Grenzen, wo es nicht nur um Wissensvermittlung, sondern um nachhaltiges Lernen, praktische Anwendung und den Austausch mit anderen geht.
Learning Circles – oder Lernzirkel – sind eine zeitgemäße Form des selbstständigen und gleichzeitig gemeinschaftlichen Lernens. Eine kleine Gruppe von Menschen arbeitet über einen längeren Zeitraum (z. B. 4 oder 6 Wochen) an einem gemeinsamen Thema. Die Teilnehmenden organisieren ihren Lernprozess weitgehend selbst, bearbeiten Lernaufgaben eigenständig, probieren Neues aus und bringen ihre Erfahrungen regelmäßig in die Gruppe ein.
Im Mittelpunkt steht damit nicht die Lehrperson, die Wissen vermittelt, sondern die aktive Beteiligung der Lernenden. Lernen wird zu einem gemeinsamen Prozess: Jede Person übernimmt Verantwortung für den eigenen Lernfortschritt und profitiert gleichzeitig vom Wissen, den Erfahrungen und den Perspektiven der anderen.
Selbstständig lernen - gemeinsam Lösungen finden
Ein Learning Circle verbindet zwei Prinzipien, die häufig getrennt betrachtet werden: selbstgesteuertes Lernen und gemeinschaftliches Lernen. Die Teilnehmenden entscheiden mit, was sie lernen möchten, setzen eigene Schwerpunkte und übertragen das Gelernte auf ihre persönliche oder berufliche Praxis. Gleichzeitig treffen sie sich regelmäßig, um Fragen zu diskutieren, Erfahrungen auszutauschen, Probleme gemeinsam zu lösen und sich gegenseitig Feedback zu geben.
Die Gruppe übernimmt damit eine wichtige Funktion: Sie schafft Verbindlichkeit, motiviert zum Dranbleiben und ermöglicht Lernen voneinander. Unterschiedliche Vorkenntnisse und Perspektiven werden nicht zum Hindernis, sondern zu einer Ressource für den gemeinsamen Lernprozess. Zwischen den gemeinsamen Treffen können die Teilnehmenden Inhalte erarbeiten, neue Methoden ausprobieren oder das Gelernte direkt in ihrem Alltag anwenden. Beim nächsten Treffen werden die Erfahrungen gemeinsam reflektiert. Was hat funktioniert? Wo gab es Schwierigkeiten? Welche Fragen sind entstanden? Was können die anderen aus den Erfahrungen lernen? So entsteht ein Zyklus aus Lernen, Anwenden, Austauschen und Reflektieren. Lernen wird dadurch stärker mit der eigenen Praxis verbunden und gewinnt dadurch an Bedeutung. Es wird genau das gelernt, was gerade gebraucht wird und für das sich die Teilnehmenden interessieren.
Die Rolle der Lehrperson verändert sich
Learning Circles kommen grundsätzlich ohne klassische Lehrperson aus. Stattdessen übernehmen die Teilnehmenden Verantwortung für die Gestaltung ihres Lernprozesses. Eine Moderation oder organisatorische Begleitung kann jedoch sinnvoll sein, insbesondere wenn eine Gruppe zum ersten Mal mit dem Format "Learning Circle" arbeitet. Die Lehrenden und Weiterbildner*innen, die einen Lernzirkel anleiten müssen nicht sämtliche Inhalte vermitteln. Ihre Aufgabe besteht vielmehr darin, geeignete Lernmaterialien bereitzustellen (Kuratieren von Lerninhalten), Lernprozesse zu strukturieren, Impulse zu geben und die Gruppe bei Bedarf zu unterstützen.
Digital oder vor Ort
Learning Circles sind nicht an einen bestimmten Lernort gebunden. Die Treffen können in Präsenz, online oder hybrid stattfinden. Für die Zusammenarbeit können Videokonferenz-Tools (z. B. Zoom, BigBlueButton) und kollaborative Online-Tools (z. B. CryptPad, Etherpads, digitale Whiteboards, Kanban-Boards, GitHub) genutzt werden. Entscheidend ist nicht das eingesetzte Tool, sondern die Lernarchitektur: eine kleine Gruppe, ein gemeinsames Lernziel, selbstständige Lernaktivitäten, regelmäßiger Austausch und gemeinsame Reflexion.
Ein Format für lebenslanges Lernen
Learning Circles passen besonders gut zu einer Arbeits- und Wissenswelt, in der Menschen kontinuierlich neue Kompetenzen entwickeln müssen. Statt Wissen einmalig in einem Kurs zu erwerben, lernen sie, sich gemeinsam mit anderen selbstständig in neue Themen einzuarbeiten. Das macht das Format beispielsweise für Themen wie Künstliche Intelligenz, digitale Kompetenzen, neue Arbeitsformen oder berufliche Weiterentwicklung interessant. Die Teilnehmenden können neue Kenntnisse unmittelbar auf ihre eigenen Fragestellungen und Herausforderungen übertragen.
Learning Circles stehen damit für einen Perspektivwechsel:
vom Lernen im Kurs zum Lernen in der Gemeinschaft
von der Wissensvermittlung zum aktiven Kompetenzerwerb
vom einmaligen Weiterbildungstermin zum kontinuierlichen Lernprozess.
Mehr Informationen und Termine für den 1. Lernzirkel zum Thema "KI-Kompetenz für Frauen" unterwww.online-lernkurse.de.
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