
Das Didaktik-Rad unterstützt in der Analyse- und Planungsphase. Damit kann die Frage: „Wer soll was, wozu, von wem, wie, mit wem, womit, wo und wann lernen?“ beantwortet werden. Es bietet eine übersichtliche und praxisorientierte Struktur, um Lehr- und Lernprozesse systematisch zu planen.
Das Didaktik-Rad visualisiert die zentralen didaktischen Elemente – von Zielen und Inhalten über Methoden und Medien bis hin zur Lernorganisation – und zeigt ihre wechselseitigen Abhängigkeiten auf. Durch die radförmige Darstellung wird deutlich, dass gelungene Didaktik nur im Zusammenspiel aller Bereiche entsteht und jede Entscheidung Auswirkungen auf die anderen Dimensionen hat. Das Didaktik-Rad dient somit als hilfreiches Orientierungs- und Reflexionsinstrument, um Lernangebote stimmig, zielgruppenorientiert und ganzheitlich zu gestalten.
Das Didaktik-Rad (PDF) wurden von Frank Waldschmidt-Dietz entwickelt und wird auf seiner Website ausführlich beschrieben. Ein guter Einstieg ist das Video der Coffee-Lecture aus dem Jahr 2019:
Die zentralen didaktische Aspekte des Didaktik-Rads „Wer soll was, wozu, von wem, wie, mit wem, womit, wo und wann lernen?“ sind in dem Padlet übersichtlich dargestellt. Hier die Darstellung als Diashow:
Anwendung des Didaktik-Rad
Im Folgenden wird jeweils ein fiktives Beispiel der Unterrichts- bzw. Lehr-Lern-Planung aus der Schule und aus der beruflichen Weiterbildung anhand des Didaktik-Rads vorgestellt:
Planungsbeispiel 1: Aufbau und Funktion des menschlichen Auges für eine 7. Klasse (Gymnasium)
Zunächst klärt die Lehrkraft, wer lernen soll. Es handelt sich um eine 7. Klasse mit etwa 13- bis 14-jährigen Schülerinnen und Schülern. Die Lerngruppe ist in ihren Lernvoraussetzungen heterogen, verfügt jedoch über grundlegende Vorkenntnisse zu Sinnesorganen aus dem Sachun-terricht oder vorherigen Biologiestunden. Daraus leitet die Lehrkraft ab, dass sowohl strukturierende als auch aktivierende Unterrichtsphasen notwendig sind, um alle Lernenden mitzunehmen.
Anschließend legt die Lehrkraft fest, was gelernt werden soll. Inhaltlich geht es um den anatomischen Aufbau des Auges sowie um die grundle-genden Funktionen der einzelnen Bestandteile und deren Zusammen-spiel beim Sehvorgang. Auf dieser Basis bestimmt sie die angestrebte Taxonomiestufe nach Bloom: Die Schülerinnen und Schüler sollen die Bauteile des Auges nicht nur benennen, sondern deren Funktionen er-klären und auf einfache Zusammenhänge anwenden können. Die Lern-ziele liegen damit auf den Stufen „Verstehen“ und „Anwenden“.
Im nächsten Schritt überlegt die Lehrkraft, wozu das Thema gelernt werden soll. Sie sieht die Bedeutung des Themas sowohl für das biologi-sche Grundverständnis als auch für die Lebenswelt der Lernenden, etwa im Hinblick auf Sehschwächen, Bildschirmnutzung oder Schutz der Augen. Diese Relevanz soll im Unterricht bewusst aufgegriffen werden, um Motivation zu fördern.
Daraufhin plant die Lehrkraft, von wem und mit wem gelernt wird. Der Unterricht findet im Klassenverband statt, mit Phasen im Plenum sowie in Partner- und Gruppenarbeit. Die Lehrkraft übernimmt dabei die Rolle der strukturierenden und begleitenden Person, während die Schülerin-nen und Schüler in Erarbeitungsphasen zunehmend eigenständig arbeiten und sich gegenseitig unterstützen.
Im Anschluss entscheidet die Lehrkraft, wie gelernt werden soll. Sie plant einen methodischen Wechsel: einen problemorientierten Einstieg mit einer alltagsnahen Fragestellung, eine angeleitete Erarbeitungsphase zum Aufbau des Auges, gefolgt von einer kooperativen Gruppenarbeit zur Funktion einzelner Augenbestandteile. Abschließend ist eine Sicherungs- und Transferphase vorgesehen, in der das Gelernte gemeinsam reflektiert und angewendet wird. Diese Methodenwahl ermöglicht so-wohl instruktionale als auch aktiv-entdeckende Lernprozesse.
Parallel dazu legt die Lehrkraft fest, womit gelernt wird. Sie wählt geeig-nete Materialien wie ein zu beschriftendes Schaubild des Auges, ein 3D-Modell, Arbeitsblätter, kurze Informationstexte sowie digitale Animati-onen. Die Materialien sind so ausgewählt, dass sie unterschiedliche Lernkanäle ansprechen und sowohl Erklärung als auch eigenständige Erarbeitung unterstützen.
Weiterhin berücksichtigt die Lehrkraft, wo und wann der Unterricht stattfindet. Die Einheit ist als Doppelstunde im regulären Klassenraum geplant und in eine Unterrichtsreihe zu den Sinnesorganen eingebettet. Die Zeit wird bewusst strukturiert, um ausreichend Raum für Einstieg, Erarbeitung, Sicherung und Anwendung zu lassen.
Abschließend reflektiert die Lehrkraft, unter welchen Bedingungen mög-lichst störungsfrei gelernt werden kann. Sie plant klare Arbeitsaufträge, bereitet alle Materialien vor und sorgt für eine Sitzordnung, die Gruppenarbeit erleichtert. Zudem werden Regeln für die Zusammenarbeit und den Umgang mit Materialien vorab geklärt.
Auf diese Weise nutzt die Lehrkraft das Didaktik-Rad nicht als starres Schema, sondern als Planungswerkzeug, das hilft, den Unterricht zum Thema „Aufbau und Funktion des Auges“ kohärent, zielgerichtet und lernwirksam zu gestalten. Alle didaktischen Entscheidungen greifen ineinander und orientieren sich konsequent an der konkreten Unterrichtssituation.
Planungsbeispiel 2: Betriebliche Weiterbildung zum Thema Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO)
Die für das Lernangebot verantwortliche Person beginnt bei der Planung des Weiterbildungsangebots mit der Frage, wer lernen soll. Zielgruppe sind Mitarbeitende eines mittelständischen Unternehmens aus unter-schiedlichen Abteilungen, darunter Verwaltung, Vertrieb und IT. Die Teilnehmenden verfügen über sehr unterschiedliches Vorwissen zur Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO): Einige hatten bereits Berüh-rungspunkte mit Datenschutzfragen, andere kennen die Regelungen nur oberflächlich. Die Heterogenität der Gruppe erfordert eine verständliche, praxisnahe und anschlussfähige Gestaltung der Weiterbildung.
Anschließend wird geklärt, was gelernt werden soll. Inhaltlich geht es um die grundlegenden Prinzipien der DSGVO, zentrale Begriffe (z. B. personenbezogene Daten, Verarbeitung, Einwilligung), Rechte betroffe-ner Personen sowie Pflichten des Unternehmens und der Mitarbeiten-den im Arbeitsalltag. Daraus leiten sich die Lernziele ab: „Die Teilneh-menden sollen die wichtigsten Regelungen verstehen, typische daten-schutzrelevante Situationen im eigenen Arbeitskontext erkennen und regelkonform handeln können“. Die angestrebte Taxonomiestufe nach Bloom liegt damit auf den Ebenen „Verstehen“ und „Anwenden“.
Im nächsten Schritt wird reflektiert, wozu das Thema gelernt werden soll. Die Weiterbildung dient sowohl der rechtlichen Absicherung des Unternehmens als auch der Handlungssicherheit der Mitarbeitenden. Datenschutz wird nicht als abstraktes Regelwerk vermittelt, sondern als notwendige Grundlage für professionelles und verantwortungsbewuss-tes Arbeiten. Diese Zielsetzung prägt die gesamte didaktische Ausrichtung.
Daraufhin wird entschieden, von wem und mit wem gelernt wird. Die Weiterbildung wird von einem internen Datenschutzbeauftragten oder einer externen Fachperson durchgeführt. Gelernt wird in einer Gruppe von etwa 15 bis 20 Teilnehmenden, die ihre unterschiedlichen Erfahrun-gen aktiv einbringen sollen.
Im Anschluss wird geplant, wie gelernt werden soll. Die Weiterbildung ist als halbtägiger Workshop konzipiert und kombiniert kurze Input-Phasen mit praxisorientierten Methoden. Nach einer einführenden Präsentation zu den Grundlagen der DSGVO arbeiten die Teilnehmenden in Klein-gruppen an Fallbeispielen aus dem Unternehmensalltag, etwa zum Um-gang mit Kundendaten, E-Mails oder personenbezogenen Informatio-nen von Mitarbeitenden. Diese Fallarbeit fördert den Transfer des Wis-sens in konkrete Handlungssituationen. Diskussionsphasen im Plenum dienen der Klärung offener Fragen und der gemeinsamen Reflexion.
Parallel dazu wird festgelegt, womit gelernt wird. Zum Einsatz kommen Präsentationsfolien, übersichtliche Handouts mit den wichtigsten Rege-lungen, praxisnahe Fallbeispiele, Checklisten für den Arbeitsalltag sowie gegebenenfalls kurze Quizformate zur Selbstüberprüfung. Die Materia-lien sind bewusst kompakt gehalten und auf den betrieblichen Kontext zugeschnitten.
Weiterhin wird festgelegt, wo und wann die Weiterbildung stattfindet. Sie wird als Präsenzveranstaltung in einem Schulungsraum des Unter-nehmens durchgeführt und in die reguläre Arbeitszeit integriert. Der zeitliche Rahmen ist klar strukturiert: Einführung, Erarbeitung, Anwendung und Sicherung wechseln sich ab, um Konzentration und Beteiligung hoch zu halten.
Abschließend werden Überlegungen angestellt, unter welchen Bedin-gungen möglichst störungsfrei gelernt werden kann. Dies soll über eine klare Agenda, transparente Ziele, vorbereitete Materialien und ausreichend Zeit für Fragen erreicht werden. Zudem soll eine offene Lernat-mosphäre geschaffen werden, in der Unsicherheiten angesprochen werden können, ohne Sanktionen befürchten zu müssen.
Auf diese Weise wird auch in der betrieblichen Weiterbildung das Didaktik-Rad als strukturierendes Planungsinstrument genutzt. Die verantwortliche Person richtet alle Entscheidungen – von der Zielgruppenanalyse über die Zielformulierung bis zur Methoden- und Materialwahl – konsequent auf den konkreten Unternehmenskontext aus. Die inhaltliche Ausrichtung an rechtlichen Anforderungen wird mit praxisnahen Anwendungssituationen verknüpft, sodass nicht nur deklaratives Wissen zur DSGVO vermittelt, sondern handlungsrelevante Kompetenz aufgebaut wird. Die didaktischen Elemente greifen dabei systematisch ineinander: Lernziele, Methoden, Materialien und organisatorische Rahmenbedingungen sind aufeinander abgestimmt und orientieren sich an der Zielsetzung, rechtssicheres und verantwortungsbewusstes Handeln im Arbeitsalltag zu ermöglichen.