
Ein gutes Konzept trägt wesentlich dazu bei, dass ein Lernangebot erfolgreich wird. Je besser ein Lernangebot geplant wird, desto einfacher fällt die Umsetzung. Und eine gute Planung erspart viel Zeit, denn spätere Änderungen sind oft aufwendig. Ein gut durchdachtes Lernangebot trägt außerdem dazu bei, den Überblick und das Ziel im Auge zu behalten. Bei digitalen Formaten muss der Ablauf der Lehrveranstaltung zudem besonders gut an die Teilnehmenden kommuniziert werden. Mit einer übersichtlichen Planung ist dies leicht zu bewerkstelligen.
Dieser Beitrag stellt das ADDIE-Modell vor, das bei der Konzeption von Lernangeboten unterstützt.
Planung eines Lernangebots
Bei der Planung einer Lerneinheit, einer Unterrichtsstunde, einer Veranstaltungsreihe oder eines ganzen Selbstlernkurses muss im Vorfeld darüber entschieden werden, welche Methoden und welche Medien eingesetzt werden sollen, um die Lerninhalte zu transportieren. Diese drei Aspekte sind eng miteinander verzahnt und sollten bei der Planung gut aufeinander abgestimmt werden.

Am einfachsten gelingt der Einstieg in die Planung eines Lernangebots über den Inhalt. Oft sind die Lerninhalte über Lehrpläne, Modulhandbücher, Referenzrahmen oder anderen Richtlinien vorgegeben. Manchmal können die Inhalte aber auch von der Lehrperson selbst festgelegt werden. Die Inhaltsplanung sollte zu Beginn nicht zu detailiert sein, sondern lediglich das Thema und die Unterthemen umreißen. Zur Visualisierung der thematischen Zusammenhänge eignen sich Mindmaps oder Baumdiagramme. Mindmaps lassen sich mit Stift und Papier erstellen oder auch digital. Tools mit denen sich digitale Mindmaps erstellen lassen sind beispielsweise:
Hinweis: In der Regel ist eine Registrierung erforderlich; oft ist die Anzahl der Mindmaps, die mit einem kostenfreien Account erstellt werden können limitiert.
Nachdem die Inhaltsplanung durchdacht und visualisiert ist, sollte überlegt werden, wie die Lerninhalte an die Lernenden vermitteln werden können. Zu diesen Überlegungen zählen die Rahmenbedingunge, das Vorwissen der Lernenden und welche Erwartungen die Lernenden an das Lernangebot haben. Jedes Lernangebot muss passgenau auf die Zielgruppe der Lernenden zugeschnitten sein, um erfolgreich zu sein. Gleichzeitig haben aber auch äußere Rahmenbedingungen, wie räumliche und zeitliche Vorgaben, die Teilnehmeranzahl etc. Einfluss auf die Planung.
Das ADDIE-Modell

Das ADDIE-Modell unterstützt bei der Planung, Durchführung und Auswertung von Lernangeboten. Es beschreibt einen Kreislauf-Prozess in fünf Phasen und stellt einen leicht anzuwendenden Leitfaden dar. Das ADDIE-Modell kann für die Planung aller Arten von Lehrveranstaltungen (reine Präsenzschulungen, Michung aus Präsenz und Online-Phasen und reine Online-Kurse) genutzt werden. Es wurde bereits in den 1970er Jahren entwickelt – ist aber immer noch top aktuell.
Das Akronym „ADDIE“ steht für:
A = Analyze / Analyse
D = Design / Entwicklung
D = Develop / Umsetzung
I = Implement / Durchführung
E = Evaluate / Evaluation
In der erste Phasen, der Analyse, stehen die zeitlichen, räumlichen und technischen Rahmenbedingungen für die Lehrveranstaltung und die Zielgruppe im Fokus. Betrachten wir also die Rahmenbedingungen und die Zielgruppe etwas näher:
Die Rahmenbedingungen sind meistens festgelegt:
- Wie häufig findet die Veranstaltung statt? Handelt es sich um eine einmalige Veranstaltung oder gibt es mehrere Termine?
- Wo findet die Lehrveranstaltung statt? Soll sie online oder in einem physischen Raum stattfinden?
- Falls es einen Präsenzteil gibt: Wie groß ist der Raum? Welche technischen Möglichkeiten stehen zur Verfügung (Beamer)?
- Wie viele Personen werden voraussichtlich teilnehmen?
Bei der Zielgruppenanalyse geht es um folgende Fragen:
- Welches Vorwissen / Welche Vorkenntnisse haben die Teilnehmenden?
- Welche Motivation / Welches Interesse bringen die Teilnehmenden mit?
- Welche Einstellungen haben die Teilnehmenden meinem Thema gegenüber? Sind sie ggf. voreingenommen? Sollen Sie überzeugt werden?
In der zweiten Phase (Design / Entwickeln) geht es darum zu entscheiden, wie die Veranstaltung konkret ablaufen soll und welche Methoden und Medien eingesetzt werden, um die Lerninhalte zu vermitteln. In der dritten Phase (Develop / Umsetzen) werden dann die Lehrmaterialien produziert. Mehr zu diesen beiden Phase erfährst du in Teil 3 dieser Serie. In diesem Beitrag konzentriere ich mich auf die Planungsphase.
Nach der Durchführung der Veranstaltung (4. Phase) wird sie evaluiert (5. Phase). Im Anschluss an die Auswertung der Teilnehmenden-Rückmeldungen fließen deren Anregungen in den nächsten Zyklus ein. So entsteht ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess der Lehrveranstaltung.
Die Infografik zum ADDIE-Modell (engl.) sowie das folgende Video zur Planung mediengestützer Lehre (16:31) erläutern das Modell detailliert.
Video: „Eine kurze Einführung in das ADDIE Modell“, Audiovisuelles Medizinzentrum – Medizinischen Fakultät der RWTH Aachen (AVMZ), Youtube CC-Lizenz (Wiederverwendung erlaubt)
Course Planning Canvas
Sobald die Rahmenbedingungen geklärt sind und ein klares Bild der Zielgruppe entstanden ist, werden diese Informationen in das Course Planning Canvas in die entsprechenden Felder eingetragen.
Anschließend kann die Inhaltsplanung beginnen. Auf Grundlage der zuvor erstellten Mindmap der zu vermittelnden Inhalte werden die Lernziele festgelegt. Dabei unterstützt die Bloomsche Lernziel-Taxonomie, die im nächsten Teil dieser Serie vorgestellt wird.