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Digitale und analoge Lernangebote planen – Teil 3: Methoden- und Medienwahl

Bild: Unsplash / CHUTTERSNAP

Die Wahl der Methoden und Medien ist nicht leicht, da es zahlreiche Methoden und noch mehr Medien (Tools) gibt. Und es gibt auch nicht die eine richtige Methode oder das eine richtige Tool für einen bestimmten Anlasse. Ob ein Lernangebot mit einer bestimmten Methode und einem bestimmten Tool gut oder schlecht funktioniert, hängt von vielen Faktoren ab. Hier hilft letztlich nur ausprobieren. Nichtsdestotrotz sollte die Methoden- und Medienwahl im Vorhinein durchdacht werden.

Methodenwahl

Bei der Wahl der Methoden geht es um die Gestaltung der Lernprozesse und ganz konkret um die Frage nach dem „Wie?“: „Wie vermittle ich meine Inhalte an die Lernenden?“

Die Wahl der Lehrmethode wird stark von der Persönlichkeit und der eigenen Haltung zum Lehren und Lernen bestimmt. Denn die Lehrmethode muss zu der Lehrperson passen, damit sie authentisch und vertrauenswürdig wirkt. Weitere Auswahlkriterien sind unter anderem die Gruppengröße, das Lernziel und die Vorkenntnisse der Lernenden bzw. die Zielgruppe der Lernenden. Bei letzterem spielt auch die Erwartungshaltung der Lernenden an die Veranstaltung eine Rolle. Aber auch die Rahmenbedingungen wie die Art des Lernangebots und ggf. die Prüfungsform sind bei der Methodenwahl zu berücksichtigen.

Art des Lernangebots

Bei einer Präsenzveranstaltung sind alle Beteiligten vis-a-vis physisch in einem Raum zugegen.
Eine hybride Veranstaltung ist dadurch gekennzeichnet, dass die Präsenzveranstaltung zeitgleich gestreamt wird oder über eine Videokon-ferenz von weiteren Personen verfolgt werden kann, die nicht vor Ort sein können.
Bei reinen Online-Veranstaltungen kann es sich um ein Webinar (Web-Seminar) handeln, bei dem eine Person einen Vortrag hält und zahlreiche Teilnehmenden an ihren Geräten zuhause zuschauen oder um einen Selbstlernkurs, bei dem die Lernenden – auf sich alleine gestellt – im individuellen Lerntempo die Lernmaterialien bearbeiten.

Bild: eigene Darstellung

Blended Learning bedeutet, dass eine Veranstaltung über einen längeren Zeitraum in mehreren Phasen stattfindet. Dabei wechseln sich Präsenz- und Online-Phasen zeitlich ab. Oft beginnt eine solche Veranstaltung mit einem Treffen in Präsenz. So können sich alle Beteiligten kennenlernen, was die spätere Zusammenarbeit in Gruppen erleichtert. Während der Online-Phasen arbeiten die Lernenden selbstgesteuert an bereitgestellten Materialien oder Aufgaben. In der darauffolgenden Präsenzphase können Fragen erörtert und das Gelernte praktisch angewendet werden oder aber auch neue Inhalte vermittelt werden. Die Veranstaltung schließt in der Regel mit einem Präsenztreffen, bei dem die Prüfung abgelegt oder Projektergebnisse vorgestellt werden.

Flipped Classroom ist eine Variante des Blended Learnings. Bei dieser Methode werden die Lerninhalte – meist in Form von Lehrvideos – vor dem nächsten physischen Treffen zur Verfügung gestellt. Hier erfolgt die Inhaltsvermittlung durch die Lernenden selbstgesteuert. Man spricht beim Flipped Classroom-Modell auch von „umgekehrtem Unterricht“, da der Unterricht nicht mehr durch die Schüler*innen in Form von Hausaufgaben nachbereitet wird, sondern über Lernvideos die Inhalte im Vorfeld vermittelt werden.

Darbietende vs. Erarbeitende Methoden

Bei den Lehrmethoden wird zwischen darbietenden Methoden (klassisches Beispiel ist der Frontalunterricht, der mit Präsentation und Vortrag arbeitet) und erarbeitenden Methoden (Gruppenarbeit, Projektarbeit, Fallanalyse, problembasiertes Lernen etc.) unterschieden.

  • Darbietende oder passive Lehrmethoden eignen sich gut zur Vermittlung von reinem Faktenwissen (z. B. über einen Vortrag oder ein Lehrvideo).
  • Erarbeitende oder aktive Lehrmethoden hingegen sind praxis- und handlungsorientiert. Sie können in unterschiedlichen Sozialformen (Einzel-, Partner-, Gruppenarbeit und dem gemeinsamen Austausch in der Großgruppe, dem Plenum) durchgeführt werden. Bei Gruppenarbeiten kann zwischen kooperativen und kollaborativen Arbeitsmethoden unterschieden werden.

Kooperation versus Kollaboration

Kooperative Arbeit entsteht durch Arbeitsteilung zwischen den Teammitgliedern. Die Bearbeitung der untereinander aufgeteilten Aufgabenteile erfolgt parallel. Die Teilergebnisse werden anschließend zu einem Gesamtergebnis zusammengefügt.

Kollaboration ist die echte Zusammenarbeit, bei der alle Teammitglieder gemeinsam an einem Produkt (z. B. die Erstellung eines Dokuments) arbeiten.

Didaktische Methoden

a) Didaktische Methoden für Präsenz- und Onlineveranstaltungen (inkl. Blended Learning, Flipped Classroom und Webinar) sind sehr zahlreich. Häufig werden die Methoden entsprechend der unterschiedlichen Lernphasen (Einstieg, Erarbeitung, Ergebnissicherung, Vertiefung, Wiederholung, Transfer, Reflexion und Feedback) eingeteilt. Sie alle hier an dieser Stelle zu beschreiben, würde den Rahmen dieses Leitfadens sprengen. Im Internet oder in Büchern finden sich umfangreiche Methodensammlungen. Viele dieser Methoden lassen sich auch für Online-Seminare und -Workshops adaptieren. Dies gelingt mit Hilfe der Breakout-Räume in Videokonferenzsoftware (Zoom, BigBlueButton, Webex etc.) auch für digitale Gruppenarbeiten.

Beispiele für Methodensammlungen

b) Für die Gestaltung reiner Selbstlernkurse fallen sämtliche Methoden, die in Partner- oder Gruppenarbeit erfolgen, weg. Das Lernen in Online-Kursen findet in der Regel selbstgesteuert statt. D. h. Lernende müssen sich selbst motivieren und sich Ziele setzen, um reine Online-Kurse erfolgreich zu durchlaufen und abzuschließen. Zur Unterstützung des selbstgesteuerten Lernens kann auf verschiedene mediengestützte Methoden zurückgegriffen werden. Zur Inhaltsvermittlung können Texte (Beschrei-bungen, Anleitungen, Checklisten etc.), Audios, (interaktive) Grafiken, Simulationen, Videos und Screencasts genutzt werden. Zur Überprüfung des Lernfortschritts können Quizze mit verschiedenen Fragetypen und hilfreichen Feedbacks, Aufgaben zur Selbsteinschätzung und Reflexion eingesetzte werden. Auch spezielle webbasierte Methoden, wie beispielsweise WebQuests oder digitale Escape Games, können Teile von Online-Kursen sein.
Du kannst dich bei der Gestaltung eines Online-Kurses für ein Hauptmedium entscheiden und deine Lerninhalte über z. B. Videokurse oder Podcasts vermitteln oder du nutzt ein Lernmanagement-System (LMS), eine Website oder ein Web Based Training (WBT), um deine Inhalte multimedial, also als einen Mix aus verschiedenen Medien, darzustellen.

Prüfungsform

Falls dein Lernangebot eine Prüfung am Ende der Lerneinheit vorsieht, so ist es wichtig, dass du mit den gewählten Methoden auf die Prüfung hinarbeitest. Wenn also am Ende eine Multiple-Choice Klausur steht, die reines Wissen abfragt, passt eine Methode zur Projektarbeit nicht gut zum vorgesehenen Abschluss. Sollen die Lernenden hingegen am Ende das Gelernte in ihren Arbeitsalltag transferieren, so sollten die Lehrmethoden auch genau auf diesen Transfer hin abzielen. Sollen die Teilnehmenden am Ende eine Präsentation halten, so ist es hilfreich, wenn sie dies auch bereits während der Lehrveranstaltung üben können und frühzeitig Feedback erhalten.

Methodisches Design

Um dein Lernangebot auf die Bedürfnisse deiner Zielgruppe auszurichten, ist es hilfreich die Grundmerkmale deines Angebots zu kennen. Aus den Grundmerkmalen lässt sich ableiten, ob dein Lernangebot einen (eher) darbietenden (expositorischen) oder (eher) erforschenden (explorativen) Charakter haben sollte.

Die beiden Begriffe Exposition und Exploration beschreiben zentrale Merkmale, anhand derer sich ableiten lässt, wie stark ein Lernangebot auf Darbietung oder auf eigenständiges Erforschen ausgerichtet sein sollte. In der Praxis finden sich eher Mischformen als eines der beiden Extreme.

Ein expositorisches Lernangebot ist dann sinnvoll, wenn alle Merkmale der Exposition erfüllt sind. Der Lehrstoff ist klar strukturiert und hierarchisch gegliedert, das heißt Inhalte bauen systematisch aufeinander auf und müssen in einer bestimmten Reihenfolge erarbeitet werden. Typische Beispiele sind Einführungskurse, Grundlagenmodule oder prüfungs-vorbereitende Formate. Die Lernsituation ist meist formell, etwa im schulischen, hochschulischen oder Weiterbildungskontext, mit klar definierten Lernzielen und Leistungsnachweisen. Die Zielgruppe ist vergleichsweise homogen, zum Beispiel eine Klasse oder ein Kurs mit ähnlichem Vorwissen und ähnlichen Lernvoraussetzungen. Die Lernenden gelten als eher unselbständig, benötigen Anleitung und Orientierung durch die Lehrperson oder das Lernmaterial. Die Motivation ist häufig extrinsisch, etwa durch Noten, Zertifikate oder externe Erwartungen, und das Vorwissen ist gering. Entsprechend sollte das Lernangebot stark geführt sein: Inhalte werden erklärt, Beispiele vorgemacht, Übungsaufgaben angeleitet und Lösungen bereitgestellt. Lernpfade sind vorgegeben, und es gibt wenig Spielraum für individuelle Abweichungen.

Ein exploratives Lernangebot eignet sich hingegen, wenn alle Merkmale der Exploration vorliegen. Der Lehrstoff ist nicht zwingend linear organisiert, sondern erlaubt unterschiedliche Zugänge und Reihenfolgen. Lernende können selbst entscheiden, womit sie beginnen und wie tief sie einzelne Themen bearbeiten. Die Lernsituation ist eher informell, beispielsweise in offenen Lernumgebungen, Projekten, Lern-Werkstätten oder selbstorganisierten Online-Formaten. Die Zielgruppe ist heterogen, etwa eine Gruppe von Lernenden mit unterschiedlichen Interessen, Erfahrungsständen oder beruflichen Hintergründen. Die Lernenden arbeiten selbständig, setzen eigene Schwerpunkte und übernehmen Verantwortung für ihren persönlichen Lernprozess. Die Motivation ist überwiegend intrinsisch, also durch persönliches Interesse oder ein konkretes Problem begründet, und das Vorwissen ist hoch genug, um eigenständig Fragestellungen zu entwickeln und Lösungen zu erproben. Ein solches Lernangebot sollte offene Aufgabenstellungen, Materialien zur freien Nutzung, Rechercheaufträge, Experimentierräume und Reflexionsanlässe enthalten. Die Rolle der Lehrperson oder des Lernangebots ist vor allem begleitend und unterstützend, nicht steuernd.

Zwischen diesen beiden Polen liegen Mischformen, die in der Bildungs-praxis besonders häufig vorkommen. In sind einzelne Merkmale eher darbietend, andere eher erforschend ausgeprägt. So kann der Lehrstoff beispielsweise grob strukturiert sein, innerhalb dieser Struktur aber Wahlmöglichkeiten bieten. Die Lernsituation kann formal sein, etwa ein Kurs mit festen Terminen, zugleich aber informelle Elemente wie Projektarbeit oder selbstgewählte Vertiefungen enthalten. Auch eine heterogene Zielgruppe kann durch kurze angeleitete Phasen auf einen gemeinsamen Stand gebracht werden, bevor explorative Lernphasen folgen.
In solchen Mischformen bietet es sich an, Lernangebote modular aufzubauen: Grundlagen werden angeleitet vermittelt, anschließend öffnen sich Lernräume für eigenständiges Arbeiten, Ausprobieren und Vertiefen. Motivation kann dabei sowohl extrinsisch gestützt werden, etwa durch klare Anforderungen, als auch intrinsisch gefördert werden, indem Lernende eigene Fragestellungen einbringen können. Mischformen erlauben es somit, unterschiedliche Lernvoraussetzungen und Lernstile zu berücksichtigen und Exposition und Exploration sinnvoll miteinander zu verbinden.

Medienwahl

Bild: eigene Darstellung

Die Medienwahl ist von der gewählten Methode, den Inhalten, den Zielen und den gegebenen Rahmenbedingungen abhängig.

Zwei wichtige Kriterien zur Auswahl eines Mediums sind

  • die Lerngewohnheiten der Zielgruppe und
  • die Verfügbarkeit des Mediums.

Das Medium sollte zur Lebenswelt der Lernenden passen und bekannt sein. Ist das gewählte Medium (oder digitale Tool) bei den Lernenden nicht bekannt, so muss eine Einführungsphase zum Umgang mit dem jeweiligen Medium / Tool eingeplant werden.

Mit der Verfügbarkeit ist gemeint, dass alle Teilnehmenden Zugang zu dem gewählten Medium haben müssen. Weiterhin müssen insbesondere bei digitalen Medien die Nutzungsrechte (Lizenzen) und der Datenschutz beachtet werden.

Medientypen

Grundsätzlich lässt ich zwischen analogen (z. B. Lehrbuch, Skript, Tafel, Flipchart, Metaplanwand) und digitalen Medien (Beamer, PowerPoint-Präsentation, eBook, Lehrvideo, Podcast, interaktives Lernmodul etc.) unterscheiden.

Weiterhin unterscheidet man zwischen synchroner (zeitgleicher) und asynchroner (zeitversetzten) Kommunikation. Hierbei kommen unterschiedliche Medien zum Einsatz:

Bild: eigene Darstellung

Die Auswahl eines Mediums bzw. digitalen Tools sollte immer nach dem gewünschten Zweck erfolgen. Das Medium ist lediglich ein Werkzeug (engl. tool).

So gibt es digitale Tools …

  • zur Bereitstellung von Inhalten
  • zur Visualisierung
  • zur Kommunikation / zum gemeinsamen Austausch
  • zur Aktivierung und Interaktion
  • zur Zusammenarbeit
  • zum Strukturieren und Organisieren von Lernprozessen
  • zur Reflexion
  • zum Testen bzw. Prüfen
  • zum Einholen von Feedback

 und Tools zur Kollaboration:

  • Collarboartion-Boards (z. B. Miro, Mural, Conceptboard)
  • Digitale Pinnwände (z. B. Taskcards, Padlet, Trello)
  • Kollaborative Schreibtools (z. B. GoogleDocs, Etherpad, CryptPad, CodiMD / HedgeDoc)

 sowie Tools zur Aktivierung und Interaktion:

  • Audience-Response-Systeme (z. B. Kahoot!, Pingo, Plickers, Mentimeter)
  • Wortwolken (z. B. Mentimeter, AnswerGarden)
  • Brainstorming & Clustern (z. B. Flinga, Oncoo)

Die Zahl an (ditigalen) Tools nimmt stetig zu, weshalb du dir für deine Zwecke eine überschaubare Anzahl an Tools zusammenstellen solltest – eine Art Werkzeugkasten. Oft ähneln sich Tools und manche können unter Umständen auch zweckentfremdet genutzt werden.

Tool-Übersichten:

Hinweis: Bei der Wahl von digitalen Tools sollten auch immer die Nutzungsbedingungen und der Datenschutz beachtet werden. Nicht jedes kostenlose Tool darf in jedem Lehrkontext eingesetzt werden. Hinsichtlich des Datenschutzes ist zu beachten, ob das Tool DSGVO-konform ist.

Medien sollten also stets mit Bedacht gewählt werden. Das Medium sollte zielführend eingesetzt werden und für die Lernenden einen praktischen Nutzen haben.

Checkliste zur Medienwahl

  • Ist das Tool geeignet, um das gewünschte Ziel zu erreichen?
  • Ist das Tool leicht zu bedienen?
  • Darf das Tool laut den Nutzungsbedingungen eingesetzt werden?
  • Ist das Tool kostenfrei nutzbar oder liegt eine entsprechende Lizenz vor?
  • Ist der Datenschutz gewährleistet?

 Course Planning Canvas

Course Planning CanvaMit den Überlegungen zu den Methoden und Medien / Tools können nun auch die beiden letzten Felder des Course Planning Canvas ausgefüllt werden.

In Teil 1 dieser Serie ging es um die Rahmenbedingungen und die Zielgruppenanalyse mit Hilfe des ADDIE-Modells und in Teil 2 um die Lernzieldefinitionen.

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