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Anthropozän – Zeitalter des Menschen

Das Holozön umfasst die Entwicklungsgeschichte des Menschen - Quelle: Pixabay

Seit einigen Jahren diskutieren Geologen, ob das aktuelle Erdzeitalter, das Holozän, beendet werden soll und die geologische Zeittafel um ein neues, das Anthropozän – das Erdzeitalter des Menschen – erweiter werden soll. Die Meinungen sind gespalten.

Die Erdzeitalter
Die Erdgeschichte unterteilt sich in vier Erdzeitalter:

  • Erdurzeit – Präkambrium
  • Erdaltertum – Paläozoikum
  • Erdmittelalter – Mesozoikum
  • Erdneuzeit - Känozoikum

Präkambrium – Erdurzeit
Den ältesten Zeitabschnitt der Erdurzeit, das Hadaikum, bezeichnet man als vorgeologische Ära. In diesem Zeitraum formte sich die Erde. Zum Ende des Hadaikums war die Atmosphäre noch sauerstofffrei und es existierte keine schützende Ozonschicht. Die Sonne verfügte zu dieser Zeit zwar über eine geringere Leuchtkraft als heute, doch dies wurde durch die stärkere Absorption und die geringere Rückstreuung der Sonnenstrahlen von der Erde kompensiert. Die Temperaturen an der Erdoberfläche ähnelten somit den heutigen. Vulkanausbrüche brachten Kohlenstoffdioxid und Wasser in die Atmosphäre, so dass sich relativ früh Regen bilden konnte, der sich in Tümpeln sammelte. In ihnen entstand an der Grenze zum nächsten Zeitalter, dem Archaikum, das erste Leben. Dabei ist bis heute nicht unklar, ob sich das Leben selbstständig auf der Erde entwickelte oder ob die ersten sich selbst replizierenden Lebewesen von Asteroiden, Kometen oder Meteoriten stammten.
Das Leben auf der Erde entwickelte sich also relativ früh. Allerdings beschränkte sich das urzeitliche Leben eine sehr lange Zeitspanne auf Bakterien und Mikroben. Dieses Zeitalter nennt man Proterozoikum – Zeitraum des urzeitlichen Lebens.

Phanerozoikum – Zeitalter des sichtbaren Lebens

Das Phanerozoikum umfasst Erdaltertum, Erdmittelalter und Erdneuzeit.

Die Spuren des ersten sichtbaren Lebens (erste Fossilien) kennzeichnen den Beginn des Paläozoikums (Erdalterum). In der untersten Periode, dem Kambrium, entwickelten sich fast alle noch heute existierenden Stämme des Tierreichs. Am Ende des darauf folgenden Ordoviziums, kam es zu dem ersten Massenaussterben, bei dem 60 Prozent der marinen Arten verschwanden. Es folgten die Perioden Silur (Riffe), Devon (Sandsteine und Kalke), Karbon (Kohleschichten) und Perm. (Rotliegendes, Zechstein).  Im Silur bildeten sich mächtige Riffe. Das Devon prägen Sandsteine und Kalke und im Karbon entstanden die heute abbaufähigen Kohleschichten. Das Perm charakterisiert Rotliegenes und Zechstein.

Zu Beginn des Mesozoikums (Erdmittelalter) erfolgte ein zweites massenhaftes Tier- und Pflanzensterben. Dies machte den Weg frei für die Entwicklung der Dinosaurier im Trias und ihre Verbreitung im Jura sowie die Herausbildung der ersten kleinen Säugetiere. In der Pflanzenwelt gewannen die Blütenpflanzen und die meisten modernen Bäume die Oberhand. Während der Kreidezeit erfolgten heftige Vulkanausbrüche und der Superkontinent Pangäa brach auseinander.
Das Känaozoikum (Erdneuzeit) begann erneut mit einer Katastrophe: Vor ca. 65 Millionen Jahren starben die Dinosaurier aus und ermöglichten damit die Evolution der Säugetiere.

Wir befinden uns derzeit in der letzten Periode der Erdneuzeit, dem Neogen (früher: Quartär) und der Epoche Holozän. Wir leben aktuell in einem Eiszeitalter. Ein Eiszeitalter ist charakterisiert durch den Zustand vereister Pole. Dieser Zustand ist als Ausnahme vom Normalzustand zu sehen, denn etwa 80 bis 90 Prozent der Erdgeschichte war die Erde – mit Ausnahme mancher Hochgebirge – eisfrei. Insgesamt sind bisher sieben Eiszeitalter nachgewiesen. Innerhalb des aktuellen Eiszeitalters gab es relativ warme und extrem kalte Zwischenphasen. Massive Gletschervorstöße kennzeichneten die Kältephasen. Da sich die eiszeitlichen Ablagerungen regional stark unterscheiden, besitzt jede Region auf der Erde eine eigene Gliederung mit einer individuellen Nomenklatur – was bei  für Nicht-Fachleute recht verwirrend ist. In Mitteleuropa sind die Kaltzeiten nach Flüssen benannt. Diese stellten im Allgemeinen die weiteste Ausdehnung der jeweiligen Eisschilde dar. In Norddeutschland kam das Eis aus dem skandinavischen Raum; in Süddeutschland ging die Vereisung von den Alpen aus.

Tertiär und Quartär sind Vergangenheit
Im Sommer 2004 veröffentlichte die International Commision on Stratigraphy (ICS) eine überarbeitete Version der geologischen Zeittabelle, wobei man das Tertiär und Quartär durch das Paläogen und das Neogen ersetzt wurden.

  Ära Periode Epoche
Phanerozoikum (Zeitalter des sichtbaren Lebens) Känozoikum (Erdneuzeit) Neogen
(früher: Quartär)
Holozän
Pleistozän
Pliozän
Miozän
Paläogen
(früher: Tertiär)
Oligozän
Eozän
Paläozän
Mesozoikum (Erdmittelalter) Kreide
Jura Malm
Dogger
Lias
Trias Keuper
Muschelkalk
Buntsandstein
Paläozoikum (Erdaltertum) Perm
Karbon
Devon
Silur
Ordovizium
Kambrium
Präkambrium (Erdurzeit) Proterozoikum
Archaikum
Hadaikum

Tabelle: Geologische Zeittafel

Das neue Zeitalter: Anthropozän
Geprägt wurde der Begriff "Anthropozän" im Jahr 2000 von dem US-Biologen Eugene Stoermer und dem niederländischen Meteorologen und Nobelpreisträger Paul Crutzen, dem früheren Direktor des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz. Mit dem neuen Zeitalter soll auf die menschlichen Einflüsse auf die Natur hingewiesen werden. Denn der Mensch greift spätestens seit der Industriellen Revolution vor rund 200 Jahren massiv in die Natur der Erde ein. Der Einfluss des Menschen auf die Umwelt umfasst u.a. das Artensterben, den menschgemachten Klimawandel, die Abholzung des Regenwaldes, die Verschmutzung der Umwelt durch nicht oder nur schwer abbaubare Stoffe, wie z.B. Plastik, die Folgen von Atombomben(-tests) und die Erschaffung neuer Mineralien. Tatsächlich sind bislang mehr als 200 Mineralien nur deshalb entstanden, weil der Mensch die Voraussetzungen hierfür geschaffen hat. Hierzu zählen beispielsweise vom Menschen entwickelte Produkte wie Beton oder Aluminium. Zahlreiche Minerale bilden sich auch als Nebenprodukt von Bergbau und Industrialisierung.

Doch für die Etablierung einer neuen erdzeitlichen Epoche reicht die Einsicht nicht, dass der Mensch die Biosphäre verändert und prägt. Dieser Einfluss muss sich durch eindeutig nachweisbare sedimentäre Befunde auch ausweisen lassen – und zwar weltweit. In der Stratigrafie (der Schichtenkunde) kommt es nicht nur auf die Grenzschicht an, sondern auch auf den Inhalt der geologischen Ablagerungen. Bislang fehlen Beweise für eine globale Schicht sowie Bohrkerne mit charakteristischen Ablagerungen aus allen Teilen der Erde. Außerdem ist das charakteristische Merkmal des Holozäns die Entwicklungsgeschichte des Menschen. Diese Phase ist erst zwei Millionen Jahre alt, was in geologischen Zeiten eine äußert kurze Zeit ist. Der Mensch würde somit zweimal zur Definition eines Zeitabschnitts herangezogen.

Eine endgültige Entscheidung, ob das Anthropozän offiziell in die geologische Zeittafel aufgenommen wird steht derzeit noch aus. Solange sollte der Begriff eher politisch gesehen werden, um auf die Missstände unserer Zeit hinzuweisen.

Quellen:

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