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Vojta-Konzept bei Säuglingen: Bewegungsstörungen gegen den Willen des Kindes behandeln

Neugeborene mit zentralen Bewegungsstörungen zeigen häufig eine Verkrampfung der Muskulatur und Störungen in ihren Körperbewegungen. Außerdem treten häufig Entwicklungsverzögerungen im Bereich des Sprach-, Hör- und Sehvermögens, sowie vegetative Störungen, eine gestörte Sensomotorik oder ein Krampfleiden auf. Auch die Intelligenz kann vermindert sein. In diesen Fällen wird häufig zu einer Vojta-Therapie geraten.

Der Begründer der Vojta-Therapie
Der tschechische Neurologe Václav Vojta hat die Grundlagen seiner Diagnostik und Therapie, das Vojta-Prinzip, zwischen 1950 und 1970 entwickelt. Das Vojta-Konzept setzt an der Reflexlokomotion an. Vojta konnte bei seinen Beobachtungen feststellen, dass sich durch bestimmte Manipulationen die Haltung und Bewegung der betroffenen Kinder verbesserte. Durch das Auslösen von Bewegungsreflexen werden Reflexmuster ausgelöst, wie sie in der üblichen physiologischen Entwicklung von selbst auftreten würden. Diese Reflexmuster beinhalten unter anderem das Umdrehen in zwei Phasen und das Kriechen. Bei der Vojta-Therapie ist es wichtig, die Reflexmuster mehrmals pro Tag zu aktivieren. Hierzu werden die Eltern in das Behandlungskonzept eingewiesen. Die Säuglinge reagieren auf diese Behandlungsmethode häufig mit heftigem Schreien, was die Eltern unter großen Stress setzt.

Bewegungsmuster durch Reize
Die Bewegungsmuster werden durch drei Grundpositionen aktiviert. Dieses sind Bauch-, Rücken- und Seitenlage. Vojta hat zehn Zonen an Körper und Extremitäten definiert, über die durch Kombination von Druck und Zug ein Reiz auslöst wird. Zu den drei Grundpositionen existieren mehr als 30 Variationen. Die Fortbewegungsreize kommen von außen und sind in ihrer Abfolge an die Entwicklung des Babys im ersten Lebensjahr angepasst.
Durch die Körperarbeit sollen bei mehrere Monate alten Kindern, die ebenso auf dem Bauch liegen, wie ein vier Wochen alter Säugling, zunächst das Reflexumdrehen und das Reflexkriechen angebahnt werden. Der vom Säugling ausgeführten Teilbewegung setzt der Behandelnde einen Widerstand entgegen. Hierdurch wird die Bewegung gebremst, wodurch die Muskulatur verstärkt wird. Die Muskelaktivität in einem Körperteil wirkt jedoch auf den gesamten Körper und verstärkt ihn so zunehmend.
In der Vojta-Therapie werden demnach keine bewussten Bewegungen angestrebt, sondern nicht bewusste Muskelaktivitäten verstärkt. Dies hat einen positiven Einfluss auf Haltung und Bewegung. In erster Linie werden grundlegende motorische Fähigkeiten, wie zum Beispiel die Körperhaltung, gefördert.
Die Behandlung nach Vojta wird auch bei erwachsenen Patienten mit erworbenen Schädigungen des Zentralen Nervensystems eingesetzt – vor allem bei Querschnittslähmung und Multipler Sklerose, aber auch bei Patienten mit einer Körperseitenlehmung nach einem Schlaganfall.

Bobath oder Vojta?
Das Bobath-Konzept und die Behandlung nach Vojta sind in ihrer Zielsetzung gleich. Die therapeutische Herangehensweise ist in beiden Fällen jedoch stark unterschiedlich. Beides sind anerkannte Therapieformen, die eine Bewegungsbahnung anstreben.

Die Vojta-Therapie wird häufig bei motorisch trägen Kindern mit mittel bis schweren Koordinationsstörungen, Hüftdysplasien, Plexusparesen und Haltungsasymmetrien eingesetzt. Bei Vojta werden die normalen Bewegungsmuster durch die Reflexe des Kindes ausnutzen, um die normalen Bewegungsmuster auszulösen. Die Behandlung stellt für Eltern und Kind eine erhebliche Belastung dar. Von den Eltern erfordern die Übungen große Konzentration und auch körperliche Anstrengung. Die Eltern sind verunsichert, wie weit die Übungen dem Kind wehtun, da die Kinder häufig mit heftigem Weinen reagieren. Dies erzeugt psychischen Stress. Erzielt die Behandlung nach Vojta keine nennenswerten Erfolge, so sollte ein Therapiewechsel zu Bobath erfolgen. Bei diesem Therapiekonzept wird das Kind auf spielerische Weise zur gewünschten Bewegung motiviert. Diese Form der Therapie eignete sich insbesondere bei Störungen in der Sensorik, Taktilität sowie beim Gleichgewichts- und Körpergefühl.

Zum Weiterlesen:

Dr. med. Dunja Voos schreibt in Ihrem Blog "Medizin im Text" kritisch über die Vojta-Therapie bei Säuglingen.

 

 

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