Podcasts gelten als zeitgemäßes Wissensformat. Niedrigschwellig produziert, flexibel konsumierbar, angeblich perfekt für „nebenbei“.
Für viele funktioniert das.
Für mich nicht!
Ich möchte meine freie Zeit nicht mit Dauerbeschallung füllen. Wenn ich spatzieren gehe, hänge ich meinen Gedanken nach. Wenn ich Sport mache, höre ich Musik. Wenn ich arbeite, arbeite ich. Audio zwingt mich in einen linearen, zeitgebundenen Konsum. Ich kann nicht überfliegen, nicht springen, nicht querlesen. Ich kann keine Randnotizen machen, keine Passagen markieren. Podcasts sind für mich kein produktives Medium.
Das wäre kein Problem, wenn Podcasts nur eine Option unter mehreren wären. De facto sind sie aber häufig die einzige Veröffentlichungsform. Interviews, Diskussionen, Fachgespräche – ausschließlich als Audio. Wer dieses Format nicht nutzt oder nicht nutzen kann, bleibt außen vor. Ich fühle mich nicht nur ausgeschlossen, ich ausgeschlossen!
Textfassung statt Transkript
Ein häufiges Gegenargument lautet: „Es gibt doch Transkripte.“ In der Praxis sind das oft automatische Rohfassungen. Unstrukturiert, ohne Absätze, ohne redaktionelle Bearbeitung, mit Füllwörtern und Sprecherwechseln, die den Lesefluss stören.
Was ich mir wünsche, ist etwas anderes: eine aufbereitete, lesbare Textfassung. Mit klarer Struktur, Zwischenüberschriften, gekürzten Wiederholungen, gegebenenfalls ergänzenden Quellen. Ein Text, der als eigenständiges Format funktioniert.
Eine Alternative wäre zumindest eine herunterladbare Audiodatei, um sie weiterzuverarbeiten, etwa mit eigener Transkriptionssoftware oder KI-Tools. Aber wenn jede Person individuell das Audio herunterlädt, konvertiert und bearbeitet, ist das weder effizient noch nachhaltig. Es verschiebt die Verantwortung auf die Rezipient*innen, obwohl technische Lösungen längst existieren.
Zugänglichkeit als Nebeneffekt
Eine gut aufbereitete Textfassung erhöht ganz automatisch die Zugänglichkeit - und das nicht ausschließlich für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen, denn auch Personen mit Konzentrationsschwierigkeiten und Nicht-Muttersprachler*innen profitieren von einer Textfassung. Inhalte werden durchsuchbar, zitierfähig, archivierungsfähig.
Fazit
Textalternativen sollen ebenso Standard sein, wie Untertitel bei Videos. Mit Künstlicher Intelligenz (KI), die automatisiert Rohfassungen liefert und Sprachmodellen, die diese strukturieren, kürzen und redaktionell glätten können ist das heute kein Hexenwerk mehr. Der zusätzliche Aufwand ist überschaubar, der Mehrwert erheblich.